Gregor Spengler

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  • Ich kam 1962 als erstes Kind sehr junger Eltern auf die Welt.

  • Wie alle Eltern haben sie versucht, alles richtig zu machen. Als Kinder der Kriegsgeneration waren sie selber hoch bedürftig und immer noch auf der Suche danach, endlich doch noch geliebt zu werden. Das „Richtige“ haben sie im Außen gesucht – in pädagogischen Lehren und in der Meinung anderer. Damit war das, was sie geben konnten limitiert durch ihre eigene Lebensangst. Zum Glück stellte sich für mich frühzeitig (in meiner Erinnerung war ich vier Jahre alt) das Gefühl ein, „dass etwas nicht stimmt“. Die kleine Welt um mich herum schien eine Sprache zu sprechen, deren Code ich nicht vollständig entziffern konnte, die „gut gemeint“ war, sich aber „verkehrt“ anfühlte.
  • Mit 7 bin ich herausgetreten aus dieser kleinen heilen unheilen Welt. War es mein Talent für das Schwimmen, meine Sensibilität für die kraftvolle Bewegung in diesem weichen Element oder war es die Verheißung, „jemand“ zu sein? In den folgenden 9 Jahre roch meine Welt nach Chlorwasser – die Zeit zwischen 2 gekachelten Wänden und der mittlere Platz auf dem Siegerpodest waren die Kriterien für „Richtig“. Was für eine großartige Illusion! Ich brachte es bis zum Olympiakader damit, trainierte 7 Stunden täglich, hielt meinen Trainer für meinen „eigentlichen“ Vater und meine Mutter für nicht existent.
  • Ich stand auf dem Siegerpodest, fühlte mich aber nicht als „Meister“ und der grauhaarige Mann am Beckenrand schaute mir zu häufig auf die Stoppuhr, bevor er lächelte. Auch diese Welt war „verkehrt“ geworden für mich.
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  • Eine ent-Täuschung, für die ich heute sehr dankbar bin.

  • Wenige Wochen nach dieser Erkenntnis habe ich auch das Schwimmbecken verlassen, ein Zimmer in der Wohnung meiner Eltern bezogen und an einem regulärem Gymnasium mein Abitur gemacht.
  • Die Idee, 5 Jahre Klinische Psychologie in Leipzig zu studieren, ist in den zahllosen Stunden im Schwimmbecken geboren. Ich wollte mich selber besser verstehen – als Sportler, weshalb Erfolg nicht nur etwas mit „Anstrengung“ und „Willen“ zu tun hat und als Mensch, weshalb ich der bin, der ich bin. Außerdem war es damals praktisch nicht möglich, sich in der DDR für Psychologie zu immatrikulieren. Das war für mich ein zusätzlicher Anreiz – bis heute fordern mich Dinge heraus, „die nicht gehen“.
    Mit Diplom und therapeutischen Ausbildungen versehen war ich möglicherweise auf dem Gipfel meiner Klugheit – Dank meiner Lehrer in den anschließenden drei Jahren habe ich mich an meine Tränen er-innert und an meine Sehnsucht – bin ich mir selber die nächste Stufe bewusster geworden in dem ich erlernt habe, meiner inneren Wirklichkeit zu trauen.
  • Durch ein großzügiges Forschungsstipendium konnte ich mich auch mit Quantenphysik, Chaostheorie und der Dynamik komplexer Systeme beschäftigen
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  • … bis zu dem Moment, in dem ich es wusste!

  • In dieser Zeit habe ich das erste Mal als psychologischer Trainer mit Erwachsenen gearbeitet: 14 Arbeiterinnen in einer Baumwollspinnerei ohne Perspektive, die misstrauisch waren und resigniert auf ihre Zukunft schauten. Ich hatte wenige Minuten Zeit um zu begreifen, dass das, worauf es hier ankam, nicht in meinen Lehrbüchern stand. Es waren mein eigenes „Nicht-Wissen“ (achtsames Spüren und Hinhören), es war der authentische und respektvolle Kontakt auf Augenhöhe, der es diesen Frauen ermöglichte, ihre Opfer-Trance zu beenden und sich selber zu begegnen.
  • Es ist bis heute dieser Moment des »Erwachens«, der mich fasziniert und mir als Psychologen meinen Platz in dieser Welt gibt. Ich meine den Moment, in welchem Menschen den Mut aufbringen, Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen. Bis heute habe ich ihn »tausendmal« erlebt – er ist ein Wunder geblieben, gleich einer Geburt.
  • Die Idee für balance hatte ich als angestellter Trainer und Berater einer deutschen Privatbank.

  • Für mich waren die Prozesse in den Seminarpausen oder den Abendstunden wesentlicher und damit lebendiger als das, was damals »offiziell« im Seminarraum passierte. Das »Eigentliche« eines guten Zeitmanagement-Trainings war nicht in Powerpoint darstellbar – es hat sich »ereignet« … irgendwann »dazwischen«.
    Während zigtausenden Autobahnkilometern und hunderten Hotelnächten träumte ich von einem Training, bei welchem »das Eigentliche« im Seminarraum geschieht – ich meine die Welt hinter den Theorien und hinter der offiziellen Drehbühne eines guten Seminars.
  • …und wieder einmal schien es „nicht zu gehen“ – in lediglich 4 Tagen so mit erwachsenen Männern und Frauen zu arbeiten, dass sie die Möglichkeit haben, sich tatsächlich zu entwickeln, dass sie den Mut finden, hinter ihre gewohnten Muster zu schauen, die Ursachen für ihre Blockierungen zu erkennen und abgespaltene sowie
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  • unterdrückte Anteile zu integrieren. Meine Vision war es, ein Persönlichkeitstraining zu entwickeln, bei welchem es möglich ist, sich in seiner Essenz zu erfahren ohne »Darüber-Reden« und psychologische Tests sondern mit „Klartext“ und Wahrhaftigkeit. Ein Training für erwachsene Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen, die von Psychologie vielleicht nie etwas wissen wollten, statt dessen „was Richtiges“ gelernt haben und nun an einem Punkt angekommen sind, an dem es attraktiv oder not-wendig ist, hinter die Kulissen zu schauen.
    Der 4-tägige Prozess, wie er heute besteht, basiert auf den Erfahrungen aus über einhundert Persönlichkeitstrainings in den vergangen 17 Jahren. Es sind Ideen und Anregungen von mehr als zehn Kolleginnen und Kollegen eingeflossen, die balance als Co-Trainer begleitet haben.
    … und auch mein eigenes Leben war Lehrmeister.
  • balance ist auch mit den Schritten auf meinem persönlichen Weg gewachsen.

  • Auch ich bin »junger Vater« (mein Sohn ist geboren, als ich 25 Jahre alt war) und habe lange Zeit versucht »alles richtig« zu machen. Kurz vor meinem 40. Geburtstag hatte ich alles – zwei fantastische Kinder, eine Ehefrau, ein großes Haus mit netten Nachbarn und beruflichen
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  • Erfolg. …und gleichzeitig dieses Gefühl, dass „etwas“ fehlt – dass der nächste Schritt „dran“ ist auf meinem Weg. Zunächst bin ich ihn äußerlich gegangen (ich habe mich nach 20 Ehejahren getrennt) – dann innerlich. Ich bin sehr dankbar für die zwölf Jahre, die darauf folgten – dankbar für diese feine Krise, das Nicht- Wissen, den Zweifel, die Entdeckungen, die neue Intensität und Kraft.
  • Ich bin sehr dankbar für diese Entwicklung.

  • Xandrine habe ich 2011 im Schwimmbecken kennengelernt. Es entstand eine Freundschaft auf der Basis einer zunächst rätselhaft-intensiven Verbundenheit. Auf der Suche nach einer Co-Trainerin (balance wird seit 10 Jahren immer von Trainerteam aus Mann und Frau begleitet) habe ich sie gefragt, da mir neben ihrer Lebenserfahrung, ihrer positiven Lebenseinstellung, und ihrem intensiven Anspruch an ihr eigenes Leben ihre „andere“, nichtpsychologische Perspektive wichtig ist. Ich erhoffe mir davon, noch näher an unseren Teilnehmern zu sein und den Prozess damit noch sensibler zu begleiten. Seit einem halben Jahr arbeiten wir gemeinsam an der Idee von balance, wachsen an unserer Unterschiedlichkeit und an unseren Klienten.